25.11.2009 E-Health und Medizininformatik

Zur Bildgalerie


Herausforderungen für InformationstechnologInnen


Die Vortragsreihe „Was IT alles kann“ des Fachverbandes UBIT der Wirtschaftskammer wurde am Mittwoch im „Tech Gate Vienna“ fortgesetzt. Die Verknüpfung von Informationstechnologie und medizinischen Anwendungen standen dabei im Mittelpunkt des Abends.


Die „Herausforderungen der Informationstechnologie im Gesundheitswesen“ beleuchtete KR Ing. Martin Prager, stellvertretender Obmann des Fachverbandes UBIT. „Medizin-Informatik entspricht am ehesten der Bezeichnung eHealth“, sagte Prager und nannte verschiedene Ausbaustufen: Von der Bereitstellung von Informationen für Patienten und Ärzte über die Kommunikation und Interaktion bis zur Transaktion und der intensivsten Stufe, der Integration – die lebenslange Aufzeichnung aller Daten eines Menschen über seinen Gesundheitszustand. Vorteile vom Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnik haben Patienten, Arzt, Labor, Spital und Krankenkassen. Während diese vor allem vom Einsatz der e-card und den Vorteilen des künftigen elektronischen Gesundheitsaktes (ELGA) finanzielle und Kostenvorteile lukrieren, ersetzt IT für Ärzte, Labors und Spitäler seit Jahren die Aufzeichnungen auf Papier, erspart Doppeluntersuchungen, ermöglicht Datenaustausch und erleichtert Abrechnungssysteme.


„Für den Patienten ist IKT wesentlich für ein effektives Angebot und die effektive Verwaltung gesundheitsrelevanter Informationen“. Doch Prager warnt, dass der Einsatz von IKT jene Patienten nicht benachteiligen dürfe, die sich nicht ihrer bedienen (können). „Datenschutz ist das oberste Kriterium bei der elektronischen Verwaltung von gesundheitsrelevanten Informationen. Der Patient muss als Eigentümer der Gesundheitsdaten und Befunde volle Entscheidung darüber haben, wer auf diese Daten zugreifen kann und darf.“ Das ist ein Abgehen vom derzeitigen Prinzip, dass Gesundheitsdaten Ärzten, Spitälern oder Kassen „gehören“ und ohne Wissen und Zustimmung der Patienten verwendet werden. Kontrolle ist wesentlich: „Daher muss bei der Planung des ELGA die Struktur der Zugriffsberechtigung mit digitalen Mitteln – zum Beispiel durch die Bürgerkartenfunktion gelöst werden.“


Über das „Handy als universelles eHealth Terminal“ referierte Univ.-Doz. Dr. Günter Schreier vom „Austrian Institute of Technology“. Damit können Patienten buchstäblich ihre Gesundheitsdaten selbst in die Hand nehmen. Informations- und Kommunikationstechnik führen zur IKT-unterstützten Therapie; die „mobilfunkbasierte Telemedizin“ ermöglicht optimierte Behandlung von Erkrankungen, wobei der Patient stärker einbezogen wird. „Der Arzt kann den Patienten dank vorhandener Verlaufsdaten individuell behandeln“, sagt Schreier und zeigt am Beispiel der Herzschwäche die Vorteile: Konventionelle Behandlung umfasst die optimale Einstellung im Krankenhaus. Werden aber Veränderungen nicht erkannt, kommt es zur Entgleisung und zur Wiederaufnahme im Spital. Beim „Telemonitoring“ eines Herzpatienten kann dieser laufend überwacht werden. Der Arzt kann rechtzeitig intervenieren und eine Eskalation vermeiden. Der Patient muss weniger Zeit im Krankenhaus verbringen. „Die individuelle Datenerfassung mit der Keep in Touch-Technologie“ (KIT) weist bei der Routineversorgung von Patienten bereits heute ein hohes Maß an usability auf“, resümiert Schreier.


Dr. Katharina Kaiser, Univ.-Assistentin (Medizinische Universität sowie TU Wien) sprach abschließend über die Planung, Ausführung, die Überwachung und Evaluierung von Therapien. „Der Patient will wissen, welche Maßnahmen zur Behandlung von Krankheiten und Verletzungen es gibt, welche Therapie-Optionen zur Wahl stehen, wie der weitere Verlauf seiner Therapie aussieht und wie gut sie wirkt“. Kaiser verweist auf mehr als 2500 „Medizin-Leitlinien“, die mit Hilfe der Informationstechnologie nun leichter anwendbar gemacht werden sollen. „Das Umsetzen der Leitlinien erfordert medizinisches Wissen und extrem hohen Trainings- und Zeitaufwand sowie hohe Kosten“, sagt Kaiser. Daher wurde ein eigenes „Framework“ für diese Leitlinien entwickelt, das vielfachen Nutzen bringt. Es unterstützt die Verbreitung und Anwendung medizinischer Leitlinien, unterstützt das medizinische Personal sowie die Forschung, dient der Qualitätssicherung und -kontrolle und entlastet die Personen, die in den Prozess der Formalisierung der Leitlinien eingebunden sind. Schließlich bieten moderne Methoden der Visualisierung eine bessere Übersicht über den Inhalt der Leitlinien.




Was IT alles kann - Das Programm